WENN MUSIK NICHT WÄRE…

Foto: Alex Boom

Seit ich denken kann liebe ich Musik in allen Facetten, mit allen dazugehörigen Emotionen und in den… naja sagen wir in den meisten Variationen. Seit inzwischen 17 Jahren spiele ich selbst Gitarre, habe mit meinen Bandkameraden viele unglaublich tolle Dinge erlebt, über 300 Konzerte gespielt und so Einiges über die Musik oder das Drumherum gelernt. Und seit geraumer Zeit habe ich mir immer mal wieder die Frage gestellt, wie die Welt, meine Welt, wohl ohne Musik aussehen würde. 

Während ich diesen Beitrag schreibe, sitze ich Zuhause. Freitagabend. Ich höre das heute neu erschienene Album meiner absoluten Lieblingsband Blink-182. Mit genau dieser Band hat bei mir wirklich alles angefangen. Jede einzelne Melodie, die ich jemals im Kopf hatte, jede Songstruktur, jeder Beat, jede Strophe, jeder Chorus, jede Bridge und so viel mehr findet wohl seinen Ursprung in den Songs von Mark Hoppus, Travis Barker und Tom DeLonge (inzwischen ersetzt durch Matt Skiba). Und so viele Songs von vielen verschiedenen Künstlern ich auch höre, ist es für mich noch immer das Größte, neuen Liedern dieser Jungs laut auf den Kopfhörern zu lauschen und dabei zu wissen, dass sie eben einfach noch da sind.

Das gibt mir viele Emotionen und Gefühle aus meiner Jugend wieder zurück, die ich sonst wohl eher selten erlebe oder auf Knopfdruck triggern könnte. Hausparties mit Freunden bis früh in den morgen, mit mindestens sechs Leuten in einem Bett oder auf dem Boden gepennt, nächtliche Bandproben, die die Nachbarn um den Schlaf gebracht haben, Mischbier aus dem Supermarkt, Zwischenstopp beim Pizzamann, Jugendhauskonzerte vor knapp 200 Leuten im engen und schwitzigen Keller (ja, da war früher echt noch was los) und irgendwie magische Sommernächte mit Freunden mal im Garten, mal an einer Tischtennisplatte auf dem Spielplatz, mal zuhause, mal wo es uns eben hin getragen hat, im Kopf den Gedanken, dass uns die Welt gehört. Und auch wenn ich inzwischen 30 Jahre alt und nicht mehr der Meinung bin, dass ich on top of the World stehe, weil man irgendwie eben mehr Realist wird als man sich manchmal wünscht, erfreue ich mich jedes mal an den Erinnerungen dieser schönen und unvergesslichen Zeit.


,,We’ll stagger home after midnight, sleep arm-in-arm in the stairwell,
we’ll fall apart on the weekend, these nights go on and on and on…” 
Blink-182 – After Midnight


Wenn Musik also nicht wäre, wo wären Emotionen, die man noch intensiver fühlen kann, wenn man sich euphorisch fühlt und rundum vorkommt, als könnte man die Welt umarmen,  Bäume ausreißen, über alles hinwegschweben, in Momenten in denen sich einfach alles perfekt anfühlt? Wo wären Melodien, die einem in schlechten Situationen Stärke und Motivation geben, sich nicht hängen zu lassen? Wo wäre die Freude daran, sich mit seinen besten Freunden am Wochenende im Club lauthals Songzeilen in die Ohren zu brüllen und dabei zu tanzen wie die letzten Vollidioten? Wo wäre all die Freude, die einem die Musik bringt?

Für mich hat Musik im Alltag dazu noch eine ganz andere Wirkung. Jeden Tag, wenn ich wie so oft zu Fuß unterwegs bin, stecke ich mir die Kopfhörer ins Ohr und nutze die Zeit, um den Volume-Regler aufzudrehen und Lieder zu hören, die ich gerne höre um einige Dinge Revue passieren zu lassen, zu verarbeiten, im Kopf durchzuspielen, vielleicht auch abzuhaken. Es ist einfach meine einfache Möglichkeit, mich von der Außenwelt abzuschotten und mehr auf mich selbst zu konzentrieren, als auf das, was um mich herum passiert. Eine Art unsichtbaren Schleier zwischen mir und den Leuten in der Innenstadt oder am vollen Bahngleis zu erzeugen. Und das ist mir persönlich sehr wichtig, denn die Konzentration und den Durchblick zwischen all dem Stress und der Hektik zu bewahren ist mir besonders wichtig. 

Meine Jugendzeit ist zwar schon eine Weile vorbei und heute stellen wir alle uns anderen Problemen und Situationen als noch vor knapp 15 Jahren, doch trotzdem ist da irgendwie in mir drin noch die gleiche Person, wie zu jener Zeit nur eben… älter.


,,They say you don’t grow up you just grow old,
it’s safe to say I haven’t done both…”
Yellowcard – Here I am alive


Auch wenn die Welt sich weiter dreht und wir uns im Leben neuen Herausforderungen stellen müssen, können wir uns drauf verlassen, dass die Musik uns eben nicht verlässt. Ich hoffe, dass mich mein Musikgeschmack trotz dieser stetigen Veränderungen im Leben und auf der Welt nicht verlässt und bei dem bleibt, was ich schon so lange liebe und bewundere. Aber wenn es nach 17 Jahren noch da ist, wieso sollte es in weiteren 17 plötzlich verschwinden? Und wie sangen die Jungs von Blink-182 bereits 1997 in weiser Voraussicht schon: ,,We’ll I guess this is growing up”!