SCHREITAG – DEZIBEL GEGEN DEPRESSIONEN

Foto: Alex Boom

Hier und da hatte ich ja bereits erwähnt, dass ich es toll finde, auf welche Arten und Weisen man seine Kreativität nutzen kann. Aber in einer von drei Jungs ins Leben gerufenen Aktion liegt ein besonders kreativer Gedanke, der einfach so viel mehr ist als nur ein lustiges Wortspiel. In der Aktion Schreitag brüllen die drei duften Jungs Guido, Lars und Tony jeden Freitag alle Negativität raus und animieren ihre Follower auf Instagram dazu, es ihnen für einen guten Zweck gleich zu tun! Wie diese schöne Idee,  das einfache aber effektive Wortspiel und die Bereitschaft, mit wöchentlichem Geschrei anderen Menschen zu helfen entstanden ist, habe ich die Jungs selbst gefragt. 

Alex: Hi Jungs, ich freue mich erst einmal sehr, dass ihr euch die Zeit genommen habt um mit mir über euer Projekt zu sprechen. Als neugieriger Interessent von Entstehungsgeschichten würde mich natürlich gleich zu Anfang interessieren, wo eigentlich alles begonnen hat und dieser bekannte Funke zu einer handfesten Idee und der Aktion wurde, die sie heute ist?

Lars: Guido hat damit im Prinzip angefangen. Er hat an Freitagen immer seinen “Blödsinn“ in den Instagram-Stories gemacht und daraus wurde irgendwann der Schreitag.

Guido: Genau, es fing bei mir eigentlich alles damit an, dass ich eine sehr sehr stressige Woche hinter mir hatte. Die Arbeit hat genervt und ich wollte irgendwie Dampf ablassen, dazu habe ich einen Wortwitz ins Spiel gebracht und der Schreitag war geboren.

Tony: Und schon zu diesem Zeitpunkt haben Leute auf Instagram mitgemacht, sodass es eine Art wöchentliches Ritual wurde. Wir haben uns dann einen Gag daraus gemacht und uns Shirts drucken lassen. Danach ging es richtig los.

Alex: Wie seid ihr beiden denn später dazu gestoßen? Hat sich die Gruppe erweitert, weil ihr die Aktion cool fandet oder hat Guido euch gefragt?

Tony: Das hat sich einfach losgetreten, oder Lars? Im Prinzip haben wir einfach mitgemacht.

Lars: Ja, wir haben uns Guido angeschlossen, online Shirts bestellt, in diesem Zusammenhang zu Beginn mit epischer Mukke jeden Tag Spannung aufgebaut und am Schreitag dann Stories mit den Shirts gemacht.

Tony: Haha ja stimmt, das war echt cool!

Alex: Und die Shirts dazu waren anfänglich auch nur Teil dieser “Schnapsidee“ und ihr hattet zu diesem Zeitpunkt noch keinen festen Masterplan, sondern bis dahin blieb es noch ein wöchentlicher Gag?

Tony: Auf jeden Fall. Auch das Thema Spenden kam erst später dazu. Erst als wir die ersten Shirtmotive hatten und davon auch schon einige verkaufen konnten, hat sich das mit den Spenden und den Hintergründen dazu entwickelt.

Alex: Es gibt ja inzwischen auch schon so einige Leute, die diese ganze Idee mitmachen. Leute, die zum Beispiel von Dächern schreien oder teilweise auch jede Woche eigene Posts dazu verfassen und sehr persönliche Dinge offenbaren. Hättet ihr gedacht, dass es so eine Reaktion in manchen Leuten auslösen könnte, die sich daran beteiligen oder dachtet ihr eher, dass es ein kleines Späßchen unter euch bleiben wird?

Lars: Ich hätte schon gedacht, dass es ein paar Leute werden könnten. Aber dass es dann doch solche Ausmaße annimmt eher nicht.

Tony: Das sehe ich auch so. Es haben ja schon im Vorfeld Leute mitgemacht, als das Ding nur eine Idee bzw. dieser Gag war und wir haben gemerkt, dass es irgendwie ankommt. Wir haben aus dem Gag auf diese Weise eben die Aufmerksamkeit schaffen wollen, Depressionen anzuerkennen, dagegen anzugehen und es nicht zu verharmlosen.

Guido: Wie Tony schon sagt, wurde aus dem anfänglichen Späßchen eine Botschaft und aus der Botschaft entsprang die Idee mit den Shirts. Es ist schön zu sehen, dass aus dem kleinen Späßchen eine, auch für andere Menschen, sehr wichtige Sache wurde. Das hatten wir so nicht erwartet und wir sind wirklich stolz drauf!

Alex: Das könnt ihr auch! Ich finde es echt super, dass aus so einer Spaß-Aktion durch eine kreative Verknüpfung etwas Schönes und Sinnvolles gemacht werden konnte und ich denke auch, dass die Leute es genau deswegen mitmachen und sich animiert fühlen!

Tony: Dankeschön! Das ist auch ein Ding, was ich eigentlich generell auf Instagram oder im Netz vertreten möchte. Irgendwo einen Mehrwert zu bieten. Einfach Shirts verkaufen ist ja auch nicht so spannend.

Alex: Zusätzlich zu den ganzen Stories und Posts, die von den Nutzern verfasst und geteilt werden, habe ich auch gemerkt, dass sie sich zu dem Thema auch sehr öffnen, was ja offenbar noch weitere Menschen animieren könnte, ihre Erlebnisse mit den Anderen zu teilen und sich möglicherweise gegenseitig zu bestärken.

Guido: Absolut! Es ist wirklich sehr schön zu sehen, dass Viele sich zu diesem Thema öffnen. Wie du schon sagst, werden wunderbare Kommentare oder Posts verfasst und man stößt auf wahnsinnig viele positive Reaktionen. Dazu wird sogar untereinander Hilfe angeboten, was in meinen Augen großartig ist!

Tony: Es gab aber auch nicht nur Zuspruch. Es gab Leute, die genervt waren, dass in den Stories freitags immer geschrien wurde. Als das Thema mit der Depression allerdings etwas präsenter wurde, konnten sie sich dann doch damit anfreunden. Sie wollten halt online nicht angebrüllt werden. Das kann ich schon ein Stück weit verstehen.

Alex: Gab es für euch eigentlich diesen einen Moment oder Momente, die euch besonders mit Stolz erfüllt haben und die ihr einfach toll fandet, weil jemand auf euch zukam oder etwas Besonderes geschrieben/geteilt hat?

Guido: Für mich gab es diesen Moment, als ich plötzlich viele Menschen mit unseren Shirts in Stories oder Posts bei Instagram gesehen habe. Was auch immer wieder schön zu hören ist, ist wenn wir positiven Zuspruch für unsere Aktion bekommen. Dafür bin ich natürlich dankbar!

Lars: Ich finde es auch immer super, wenn Leute ankommen und über ihre eigenen Probleme von Depressionen erzählen und sich öffnen. Mehrere Leute haben mich dazu bereits persönlich angesprochen.

Tony: Ich sehe es genau so wie die Anderen. Gerade wenn dir Leute persönlich schreiben, dir Anerkennung geben und persönliche Erfahrungen teilen, das ist ein ganz besonderer Moment. Es ist nicht selbstverständlich, dass jemand mit dir über Depressionen spricht und es ist auch nicht einfach darüber zu sprechen. Und das zeigt einem auch, dass man damit etwas bewirkt und erreicht. Da macht es einen schon stolz, mit so einer kleinen Sache und verhältnismäßig wenig Reichweite viel erreichen zu können.

Alex: Das heißt, auch in eurem direkten Umfeld kamen schon Leute auf euch zu und haben euch dazu ausgefragt und zeigten Interesse daran?

Lars: Ja! Auf mich kam bereits eine alte Freundin zu, die mich dazu interessiert ausgefragt hat. Und ich zum Beispiel hatte selbst eine Zeit lang auch damit zu kämpfen. Es ist in der letzten Zeit aber zum Glück immer weniger geworden.

Alex: Freut mich, dass es dir inzwischen wieder besser geht! Ich denke da haben mehr Leute Probleme, als man denken würde. Jeder hat auch mal schlechte Phasen und an so einer Aktion kann man sich finde ich in gewisser Weise auch wieder etwas hoch hangeln und neue Motivation schöpfen, nach einer schlechten Woche aufzustehen und weiterzumachen.

Tony: Genau, schrei es raus und lass es einfach hinter dir!

Guido: Auf meiner Arbeit haben Viele nach den Shirts gefragt und wollten wissen, was es bedeutet. Natürlich habe ich im Alltag/Berufsleben jeden Freitag ein Schreitag-Shirt an!

Alex: Wie ist es denn unter euch eigentlich so? Habt ihr untereinander Aufgaben zugeteilt und jeder hat sein Thema wie Instagram, neue Shirtdesigns usw.?

Tony: Wir haben keine feste Aufteilung. Ich mache hauptsächlich die ganzen Shirtgeschichten und pflege den Onlineshop, aber das ganze Instagram-Ding betreuen wir gemeinsam.

Guido: Genau, Instagram teilen wir uns. Jeder macht seine Posts oder Stories wie er mag. Natürlich sprechen wir gewisse Dinge untereinander ab.

Alex: Habt ihr die Shirtdesigns alle selbst gestaltet?

Guido: Die ersten Designs stammen aus Tony’s Feder. Die Designs das erste mal auf den Shirts zu sehen war echt der Hammer.

Tony: Naja ich beherrsche es eher so zweckmäßig, aber wir wollten ja erst mal irgendwo starten. Das bisher erfolgreichste Design hat allerdings ein Arbeitskollege von mir gebastelt. Und auch unser Logo hat eine Bekannte von mir gestaltet. Wir scheuen uns nicht davor auch Leute für ihre Designs zu bezahlen und wollen in Angriff nehmen, auch weitere gestalten zu lassen. Bei mir selbst hapert es ehrlich gesagt mit der Umsetzung und der Kreativität. Da lassen wir gerne auch andere Leute mit einem neutralen Blick ran. Gerne hätten wir auch einen festen Designer, der uns unter die Arme greifen kann. Natürlich würden wir sie/ihn dazu auch online verlinken und regelmäßig die Credits geben, die sie/er verdient!

Alex: Ich hoffe da findet sich jemand! Aber gerade bei Instagram gibt es doch echt viele unglaublich kreative Menschen. Wie läuft der Vertrieb denn ab?

Tony: Ursprünglich haben wir die Shirts über Amazon und Spreadshirt verkauft. Allerdings scheint Amazon unsere Designs geblockt zu haben. Daher findet man die Sachen aktuell nur noch auf Spreadshirt. Der Grundpreis ist hier leider etwas höher, aber wir hoffen, dass trotzdem noch Leute in unseren Shop finden.

Alex: Auch wenn es eine recht offensichtliche Frage ist, wie kamt ihr ausgerechnet zur Depressionshilfe? Habt ihr euch zusammengesetzt und Vorschläge gesammelt oder hat es einfach direkt gepasst?

Guido: Es ging ja darum, sich den Frust von der Seele zu brüllen, aus sich heraus zu kommen! Und wenn wir etwas Gutes tun können, umso besser. Da kam die Idee mit der Depressionshilfe von Tony einfach wie gerufen.

Tony: So blöd wie es halt auch klingt, es war einfach der erste Gedanke. Das erste, was ich gefunden habe, war die deutsche Depressionshilfe. So hat es sich gut zusammengefügt. Wie ich gesehen habe, engagiert sich auch Harald Schmidt dafür. Wäre doch mal eine geile Sache, Harald Schmidt mit einem Schreitag-Shirt zu sehen!

Alex: Haha, dann am besten direkt mal anfragen! Glaubt ihr denn, dass es Leuten hilft, Dinge besser zu bewältigen oder sogar durch die Depression zu bringen?

Tony: Also dass es den Leuten hilft haben mir schon einige gesagt. Aber dass es wirklich jemandem geholfen hat, die Depression zu überwinden eher nicht. Dazu ist unsere Aktion aber auch gar nicht gedacht. Es soll ja Leute animieren über ihre Probleme zu sprechen und sich an eine entsprechende Institution zu wenden und Hilfe aufzusuchen. Oder hattet ihr mal eine Nachricht dazu?

Lars: Ne, das jetzt nicht. Aber man merkt schon, dass sich sich Leute dabei nicht mehr so allein fühlen.

Guido: Wir hoffen einfach, dass es bewirkt, Menschen dabei zu helfen, sich zu öffnen, Hilfe zu suchen und diese Hilfe auch anzunehmen.

Alex: Wie läuft es denn mit den Spenden bei euch ab?

Tony: Erstmal halten wir alles sehr transparent und sorgen dafür, dass die Leute sehen, wo ihr Geld hingeht. In den Highlights auf unserem Instagram-Profil kann man das genau nachverfolgen. Dazu sammeln wir erst mal und schicken alles weiter, wenn ein Betrag zusammen gekommen ist, bei dem es sich lohnt, eine Überweisung zu tätigen. Üblicherweise schicke ich einmal im Quartal eine Überweisung raus. Ich führe eine Liste mit Verkäufen, sodass ich weiß, welche Spenden ich raus schicken muss und nichts vergessen wird.

Alex: Eine Klischee-Frage zum Schluss: Habt ihr Pläne für die Zukunft? Konkrete Ideen? Wünsche? Wie soll die Sache weitergehen?

Tony: Wir hatten zum Beispiel mal angedacht, für Weihnachten besondere Weihnachtsshirts rauszubringen. Ansonsten haben wir überlegt eine Verlosung, vielleicht einen Schreitag-Contest zu veranstalten. Ein paar Aktionen schweben uns im Kopf herum. Wie ich neulich übrigens festgestellt habe, ist der Schreitag mittlerweile inzwischen über ein Jahr alt. Am 20. Juli 2018 war der allererste Schreitag!

Lars: Letztes Jahr an Weihnachten haben wir dazu auch gesungen und Gedichte vorgeschriehen. Vielleicht auch wieder eine Idee für dieses Jahr.

Guido: Oder wie wäre es mit einem Toyshot als Shirt-Design?

Alex: Klingt jedenfalls, als hättet ihr noch einige coole Ideen im Köcher und ich würde mir wünschen, dass ihr genau so weitermacht, weil ich die Aktion sehr kreativ und interessant finde und sie dazu noch einem guten Zweck dient! Davon sollte es wirklich mehr geben! 

Tony: Vielen Dank, das freut uns sehr zu hören!

Wer die Jungs und ihre Schreitag-Aktion also gerne unterstützen oder mehr erfahren möchte, findet alle nötigen Informationen auf dem Instagram-Profil sowie ihre Shirts im Schreitag-Onlineshop. Darüber hinaus sind sie nach wie vor auf der Suche nach Unterstützung für Shirt-Designs. Wer sich der Aktion insoweit anschließen und mit einem oder mehreren Designs seine Hilfe anbieten kann/möchte, kann sich selbstverständlich immer bei mir oder den Jungs direkt melden! 

Solltet ihr selbst oder jemand in eurem Umfeld Hilfe benötigen, wendet euch bitte an eine nahe stehende Person oder Menschen, denen ihr euch anvertrauen könnt! Dazu könnt ihr euch jederzeit direkt an die deutsche Depressionshilfe wenden. Alle Informationen und Kontaktmöglichkeiten findet ihr unter diesem Link!