Marvel’s Quantität statt Qualität?

Foto: Alex Boom

Als Marvel-Fan wird man in den letzten Jahren schon sehr verwöhnt. Ein Kinofilm hier, eine Serie da und das alles gleich 3-4 mal jährlich! Was will man also mehr? Bei einigen Fans wird momentan immer mehr die Unzufriedenheit über die fehlende Qualität der Marvel-Projekte laut. Ob unschöne Effekte, schlechte Stories, blasse Charaktere, alles schon mal gehört und gelesen. Aber leidet wirklich die Qualität der neuen Projekte und wird eher Wert auf Quantität gelegt oder sind es einfach die Unzufriedenheit und zu hohen Erwartungen der Menschen, die ihnen jedes mal selbst einen Strich durch die Rechnung macht?

Nach Avengers: Endgame dreht sich die Welt im Marvel Universum nach wie vor weiter. Oft liest man im Internet seitdem aber auch Kommentare wie: „Wieso hört der Mist nicht endlich auf?“ oder „Sie hätten nach Endgame einfach Schluss machen sollen. Es geht ja nur ums Geld.“ Natürlich spielt Geld eine Rolle, aber das heißt nicht gleichzeitig auch, dass die Fans egal sind. Und nur weil der neue Film am Ende nicht so actionreich, tiefgründig, emotional oder bombastisch ist, wie der Teil davor und nicht den eigenen Erwartungen entspricht, ist es nicht immer gleich auf mangelnde Qualität zurückzuführen. Aber wie äußert sich fehlende Qualität im Falle von Marvel eigentlich? Gehen wir mal auf die drei wichtigen Punkte Spezialeffekte, Charaktere/Story und Erwartungen ein und schauen uns speziell die Filme und Serien an, die nach Avengers Endgame erschienen sind.

1. Spezialeffekte (CGI):

Gerade zu diesem Thema gab es in der letzten Zeit so einigen Gesprächsstoff. Insider teilten mit, dass die Arbeitsbedingungen in den Spezialeffekt-Firmen unter Marvel Studios sehr schlecht seien und die Bezahlung in keinster Relation zur geleisteten Arbeit stehen. Die Angestellten sind überarbeitet und Deadlines können teilweise kaum eingehalten werden. Aus dem Grund sollen die Marvel Studios wohl offenbar gerade auch an einem hauseigenen Studio für Spezialeffekte basteln. Ich hoffe sehr, dass das Problem ernst genommen wird und es in Zukunft besser von Marvel gehandhabt wird.

Natürlich gibt es immer mal wieder Ausschnitte, die nicht perfekt aussehen. Grundsätzlich ist das aber kein Marvel-Problem. Von 100 Szenen bleibt eben meistens die eine weniger ansprechende Stelle in schlechter Erinnerung. Aber auch ich sehe in den vergangenen Projekten einige Defizite in diesem Bereich. Moon Knight, Black Widow, Ms. Marvel oder auch She-Hulk tragen einige Szenen zusammen, die leider einfach nicht ansprechend sind. Gerade She-Hulk sieht oft aus wie ein Videospielcharakter und fügt sich kaum in die Umgebung ein. Genau so, wie die Transformationen und Action-Szenen in Moon Knight.

Das kann schon mal ablenken und für Fragezeichen auf der Stirn sorgen, aber mich hat es oft trotzdem nicht zwangsläufig aus der Story gerissen. Wenn man sich auf der anderen Seite Projekte wie Eternals, Spider-Man: No Way Home, Loki oder WandaVision ansieht, muss man sagen, dass die Effekte größtenteils super gelungen sind! Aber es ist schon richtig, wenn man argumentiert, dass beispielsweise der Transformers Film aus dem Jahr 2007 (!) zum Teil deutlich besser aussieht als manche Filme, die 15 Jahre später rauskamen!

2. Charaktere/Story:

In meinen Augen bis zum heutigen Tage eine der großen Marvel-Stärken! In jedem Film und jeder Serie werden gefühlt massenweise neue Helden und Sidekicks eingeführt, die für mich größtenteils super gelungen sind bzw. auch heute gelingen! Teilweise funktionieren sogar eigenständige Spin-Offs mit neuen oder bisher weniger präsenten Charakteren sehr gut! Wer hätte bitte damals gedacht, dass ein Waschbär und ein sprechender Baum, der nicht mehr als drei Worte sagen kann, so viel Liebe bekommen würden. Auch in neueren Projekten funktioniert dies meiner Meinung nach noch immer wunderbar! Ob Layla aus Moon Knight, Mobius aus Loki, Yelena Belova aus Black Widow, Kate Bishop aus Hawkeye usw. I could do this all day!

Schon in den Anfängen der Marvel Studios wurde immer Wert auf Charakterentwicklung und Geduld gelegt. Das kann man zumindest so sagen, wenn man bedenkt, dass sich die Infinity Saga stolze zehn Jahre lang aufgebaut hat. Ich für meinen Teil möchte jedenfalls mehr davon! Mehr tolle Charaktere, mehr geduldige Entwicklungen und gerne auch mehr Cameos der verschiedenen Figuren, die in die jeweils anderen Serien und Filme platzen! Auch das funktioniert nicht immer perfekt, wie z.B. in Doctor Strange: Multiverse of Madness. Aber ich finde, in dieser Hinsicht dürfte sich Marvel gerne noch etwas mehr ausleben, gerade wenn wir aktuell im Multiversum unterwegs sind. Apropos Cameo: Da wäre noch der letzte Punkt…

3. Erwartungen:

Seit die Avengers auf die Leinwand gebracht wurden, sind Erwartungen gefühlt auf einem Allzeithoch! Thor ist mit den Guardians of the Galaxy unterwegs, Captain America wird zu einem Lehrvideo an Peter Parkers Highschool und aus Peggy Carter wird schlichtweg Captain Carter in den Weiten des Multiversums. Auch ich liebe diese Überraschungsmomente und bin immer sehr gespannt, wen wir wohl als nächstes ins Bild schleichen sehen. Aber Doctor Strange 2 hat mir gezeigt, dass es nicht immer sein muss, nur der Fans wegen! Vorab gab es dutzende Gerüchte über Gastauftritte von Deadpool, Wolverine, Tom Cruise als Iron Man, Loki, Tobey Maguire’s Spider-Man und und und. Mit den Illuminati haben sie ein paar wirklich coole Cameos hingelegt, aber es fühlte sich für mich leider viel zu überhastet an.

Auch meine Erwartungen an diesem Film waren dadurch leider zu hoch, weswegen ich am Ende eher enttäuscht zurückgelassen wurde. Der Film war für mich an vielen Stellen zu kurz und einige sicherlich wichtige Szenen wurden rausgenommen oder nicht mit letzter Konsequenz zuende gebracht. Warum nicht mal etwas brutaler, wenn der Horroraspekt schon da ist? Es ist denke ich aber vernünftig, sich von Anfang an ein wenig drauf einzustelen und sich auf die Sache einzulassen.

Erwartet man bei Ms. Marvel einen Thriller wie Captain America: Winter Soldier, wird man wohl am Ende sehr enttäuscht sein. Das heißt nicht, dass man daran nicht trotzdem seinen Spaß finden kann und noch wichtiger: Dass man den Anderen ihren Spaß daran lässt! Denn was man Marvel auf keinen Fall vorwerfen kann, ist dass sie nicht genug neue Dinge ausprobieren, über den üblichen Tellerrand hinausblicken und sich trauen auf unbekannte und neue Projekte zu setzen.

Wie schon gesagt kann man heutzutage einfach froh sein, all das erleben zu dürfen! Es gibt so viele spannende Filme und Serien im Marvel-Universum, die uns in naher und ferner Zukunft noch erreichen werden und ich freue mich auf jedes einzelne. Ich hoffe ihr genau so! Bleibt alle voller Vorfreude und lasst euch den Spaß nicht verderben!