DAS STREBEN NACH KLICKS

Foto: Alex Boom

Hi Leute, ich hoffe es klickt, streamt oder postet sich gut bei euch und ihr habt aktuell viel Spaß im Internetz. Spaß an der Sache habe ich natürlich auch, trotzdem sind mir in der letzten Zeit einige Dinge, speziell bei Instagram aufgefallen, die mich wirklich nachdenklich machen und auch schon sehr enttäuschen. Ich war bisher niemand, der seinem Unmut online Luft macht, weil ich mich viel lieber mit den schönen Dingen beschäftige und mich nicht ärgern lassen möchte. Aber inzwischen bin ich soweit, dass ich dieses eine Mal genau das tun möchte, denn ganz im Ernst… Was zur Hölle ist nur los mit Leuten?!

Vieles hat mich in der letzten Zeit wirklich stark zum Grübeln gebracht. Und puh, wo soll ich da nur anfangen? Bei all den Profilen, denen man täglich begegnet, folgt, kommentiert, mit denen man interagiert, kommt mir immer häufiger das Gefühl, dass es Vielen leider ausschließlich um Klicks geht (Ja, ich weiß schon. Wer hätte das gedacht?!). Kein Interesse für kreative Ideen, kein Bock auf Interaktionen, keine Zeit vernünftige Kommentare oder Beiträge zu verfassen. Nur die pure Besessenheit von mehr. Mehr Follower, mehr Reichweite, mehr Protzerei, mehr Genugtuung, besser zu sein als alle Anderen. Und von diesen Profilen gibt es viele. Verdammt viele!

Es werden auf der einen Seite lieblose Foto geschossen, ein Satz als Bildunterschrift muss genügen, hingerotzt, Schreibfehler in den kürzesten Texten, mehr Arbeit lohnt nicht. Klicks kommen sowieso rein und die Reichweite ist wichtiger. Wichtiger als alles Andere. Hauptsache immer mehr und mehr generieren. Den Algorithmus füttern. Sich selbst und Anderen beweisen, der Beste zu sein. Weniger Klicks – inakzeptabel. Dann lieber noch ein Stündchen Profile abgrasen, die einen nicht im Geringsten interessieren. Wie mit den eigenen Followern und anderen Menschen umgegangen wird? Völlig irrelevant! Follow-Unfollow? Bitte, danke! Unnötige und inhaltslose Kommentare unter Fotos von anderen hinterlassen um seinen Teil beigetragen, seine Arbeit erledigt zu haben. Ist Pflicht um oben mitspielen zu können. Um Partnerschaften, Kooperationen zu bekommen. Beiträge verfassen zu können, über gesponserte Dinge, die es eben umsonst gab. Ob einen diese Dinge wirklich selbst interessieren? Scheißegal! Hauptsache man hat es und kann den anderen aufzeigen, dass sie es eben nicht haben. Sinnvolle Kommentare schreiben unter tollen und wahnsinnig bedachten Posts, bei denen sich die Verfasser viel Mühe gegeben und Herzblut hineingesteckt haben? Juckt nicht. Empathie? Wofür?

Und ab diesem Punkt läuft es mir langsam eiskalt den Rücken herunter. Im Vergleich zu diesen Nutzern gibt es nun mal auf der anderen Seite auch Menschen, die mit den Möglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen das Maximum aus jedem einzelnen Bild und Beitrag herauskitzeln. Diese größtenteils unterschätzten Profile von Nutzern, die alles dafür geben, sich mit Gleichgesinnten austauschen zu können und sich über jeden Klick oder Kommentar freuen, verdienen genau diese Aufmerksamkeit, die genügend andere undankbare klickgeile Nutzer mehr und mehr bekommen. Beiträge mit tieferer Bedeutung und fast schon maximal langen Texten bekommen (wenn überhaupt) Kommentare, die stumpfer nicht sein könnten. Und wenn gar nichts einfällt schreibt man eben so etwas wie: “Geiler Post, weiter so.” Spätestens ein Flammen-Emoji oder ein lustiger Kackhaufen werden es schon richten. Menschliche Bots eben! In diesen Kommentaren oder Reaktionen steckt nichts weiter als inhaltsloser Unsinn, pure Gleichgültigkeit und schlichtweg Spam. Sich durch Profile copy & pasten muss aber auch gelernt sein.

Zugegebenermaßen kann es aber auch echt schwer sein, die passenden Worte zu einem Bild zu finden. Ich denke in dieser Situation haben wir uns alle schon einmal gesehen. Neben einem Lob für’s Foto fällt wirklich nicht immer direkt ein Wortspiel, ermutigender Kommentar zum Text oder eine passende Antwort ein. Aber ich denke, dass es eben auch daran liegt, dass hier zuviel Druck gemacht wird, von Profil zu Profil zu hetzen um weitere möglichst kurze und einfach gestrickte Kommentare zu hinterlassen, die Verknüpfungen herstellen und Brücken auf den eigenen Feed bauen. Schaut man sich alles nur einmal sachlich an, merkt man jedes Mal sofort, wie Kommentare zu deuten sind.

Vielleicht kommt es mir nur so vor, aber ich habe das Gefühl, dass die Menschlichkeit, das Mitgefühl und das Interesse, einfach mal einen Text von Anfang bis Ende durchzulesen, dabei immer mehr verloren gehen und das eigene Spiegelbild im sozialen Netzwerk den Leuten immer wichtiger erscheint, als ihr eigentlicher Eindruck gegenüber der ganzen Öffentlichkeit. Klar, Instagram ist eine Fotoplattform, aber auch die Texte darunter können kreativ und sinnvoll genutzt werden! Community? Eigentlich nur ein bedeutungsloser Ausdruck um dazu zu gehören. Regelmäßig sichere Likes abzustauben halt. Klassische Schulhof-Mentalität. Menschen, die sich an größere Profile hängen um Follower abzustauben sind längst keine Seltenheit mehr sondern eher Normalität. Kein Respekt vor kleineren Profilen und den Menschen dahinter. Ausschließlich die Größeren haben schließlich die Möglichkeit das eigene Profil zu pushen, wenn man sich nur reichlich dahinter klemmt. Fake-Interesse rundum!

Ich gehöre in diesem Zusammenhang zu den Leuten, die sich über jeden Kommentar freuen und bin froh, dass unter meinen Bildern in der letzten Zeit verhältnismäßig wenige Antworten landen, die einfach nur verfasst wurden um Aufmerksamkeit zu erhaschen. Zugegebenermaßen besuche ich auch Profile und hinterlasse nicht immer die qualitativ hochwertigsten Kommentare oder Nachrichten, aber ich kann von mir selbst behaupten, dass ich mich gern damit beschäftige und den Leuten in aller Ehrlichkeit mitteilen möchte, dass mir gefällt, was sie da gemacht haben. Ich nutze die Freude Anderer über einen Kommentar nicht mit dem Hintergedanken aus, meine eigene Reichweite zu verbessern.

Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass Instagram so viele Möglichkeiten bietet, seinen Horizont zu erweitern oder sich kreativ durchzusetzen. Nur werden diese Möglichkeiten eigentlich nur zweckmäßig genutzt um das Profil aufzubauen, das am Ende nichts weiter bringt, als den Ego noch weiter aus der Atmosphäre zu pusten. Dabei über Leichen zu gehen und die Beiträge anderer Nutzer auch noch zu kopieren und als eigene Idee zu verkaufen ist hierbei tatsächlich das kleinste Übel. Würde man doch einfach nur einmal die eigene Kreativität anstrengen…

In diesem Zusammenhang sind mir in letzter Zeit Nutzer und Profile wie Frau Trallafitti oder Avilinn aufgefallen, die ihre Profile ausgemistet oder schlichtweg neu angelegt haben. Und das ist eine richtig gute Idee, die ich sehr bald auch in Angriff nehmen werde. Auch Alexnerdic hat zu diesem Thema gerade erst reinen Tisch gemacht und sich eindeutig und in meinen Augen vollkommen korrekt geäußert! Diesen Leuten merkt man in aller Ehrlichkeit sofort an, dass es eben nicht nur um Klicks geht, sondern auch um die Hingabe, mit anderen Profilen ins Gespräch zu kommen, Spaß, Freude, Gedankenanstöße zu verbreiten und sich auszutauschen!

Ich bin dankbar für jedes einzelne dieser tollen Profile, denen man gar nicht erst abkaufen muss, dass wirklich coole und ebenso dankbare und empathische Menschen dahinter stecken, denen es durchaus möglich ist, die Zahlen und Statistiken auszublenden um den Spaß nicht zu verlieren! Ich bin so dankbar dafür!

Darüber hinaus bin ich mit meinem eigenen Profil absolut zufrieden. Ich habe noch immer eigene Ideen, ich habe Freude und nach wie vor die Ambition, täglich Bilder zu posten und mir dazu entsprechende Texte auszudenken, von denen ich überzeugt bin. Ich hoffe sehr, dass es noch genügend Leute da draußen gibt, die es genau so sehen! Jeder achtet mal auf Zahlen und freut sich über neue Follower oder Likes, aber irgendwo ziehe ich persönlich ganz klar eine Grenze, die mir sagt, Dinge nicht so berechnend und gleichgültig zu sehen! Ich wünsche mir viele Nutzer, die es genau so sehen und nicht vergessen, dass es auch wichtigere Dinge gibt, als Social-Media und freue mich jeden Tag auf’s Neue, den ein oder anderen kennen zu lernen. Bitte lasst euch von den ganzen Leuten nicht den Spaß an der Sache verderben und haltet an eurer Überzeugung und an dem Gedanken, der euch dazu bewegt hat fest.

Bei allen anderen kann man nur sagen, dass es mit Glück und Erfüllung schon längst nichts mehr zu tun hat. Hier geht es einzig und allein um das Streben nach Klicks.